
Belletristik
Der Hof ohne Namen
Mit KI erzeugtMila geht diesen Weg jeden Tag – doch heute bleibt Vulpes vor einem Durchgang stehen, den sie noch nie bemerkt hat. Dahinter liegt ein Hinterhof, in dem der Glimmer einfach verschwindet: kein Funkeln, kein Klang, keine Wesen. Nur eine scheue Schwalbe an der Regenrinne, deren Name kaum mehr als ein Flüstern ist, und die Frage, was man tun muss, wenn Fordern nicht hilft und Erfinden nicht reicht.
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Titelsong
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Kapitel
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Es gab einen Weg, den Mila jeden Tag ging. Von der Schule nach Hause, durch die Flüstergassen, immer dieselben Ecken, immer dieselben Pflastersteine. Sie hätte ihn mit geschlossenen Augen gehen können, und an manchen Tagen probierte sie das sogar, drei Schritte lang, bis sie kicherte und wieder blinzelte.
An diesem Herbstnachmittag roch die Luft nach nassem Laub und nach Apfelkuchen aus irgendeinem Fenster. Aus einem anderen Fenster, weit oben, tropfte Harfenmusik herunter, gedämpft, als spiele jemand hinter einem Vorhang. Von der anderen Seite der Dächer antwortete ein fernes Glockenspiel mit drei hellen Tönen. Und an der runden Litfaßsäule an der Ecke raschelten alte Zettel im Wind, immer wieder, ritsch, ritsch, wie Papierblätter, die sich leise unterhalten.
Mila ging mitten hindurch. Sie war sieben Jahre alt und hatte langes, blondes, leicht welliges Haar, das ihr beim Gehen über die Schultern wippte. Ihre Augen waren groß und haselnussbraun, auf ihren Wangen saßen ein paar Sommersprossen, und sie trug ihre gemütliche Kapuzenjacke in Beerenrot, eine Jeans und feste Wanderschuhe, die auf dem alten Pflaster klack, klack machten. In der rechten Hand hielt sie ihr Handy aufrecht wie einen Schwertgriff. Aus der Glaskante wuchs eine schimmernde Lichtklinge, dünn und warm, und wenn Mila damit durch die Luft strich, kribbelte es ihr bis in die Fingerspitzen. Das war das Glimmern. Es kitzelte.
Neben ihr trottete Vulpes. Er war ein schlanker Fuchs, ungefähr so groß wie ein großer Kater, mit rostrotem Fell, das warm schimmerte, dunklen Pfoten und spitzen Ohren mit hellem Flaum darin. Seine Schweifspitze glühte golden wie eine kleine Laterne, und seine bernsteinfarbenen Augen funkelten meistens ein bisschen frech.
Vor einer Weile hatte Mila seinen ganzen, langen, wahren Namen gelesen. Das war nicht leicht gewesen, denn wahre Namen stehen in der Alten Zunge geschrieben und wollen genau angeschaut werden. Aber sie hatte ihn gelesen, und Vulpes hatte ihr sein Bündnis angeboten, und Mila hatte es angenommen. Seitdem war er immer bei ihr. Seitdem trug auch ihre Stadt zwei Namen: den, den alle benutzen, und den anderen, den ersten. Urbs Mirabilis. Mila sagte ihn manchmal leise vor sich hin, [whispers] nur so, weil er in ihrem Mund klang wie ein Bonbon.
An der schmalen Steintreppe vor dem Buchladen saß jemand. Es war Liorin, hochgewachsen und bedächtig, in einem tiefindigofarbenen Mantel mit silbernen Nahtlinien. Sein silbergraues Haar war streng zurückgebunden, sein Gesicht schmal, seine dunklen Augen ganz ruhig. Auf seinen Knien lag eine aufgeschlagene Sternkarte aus dünnem Pergament, und er tippte mit dem Finger darauf, als wolle er sie höflich, aber bestimmt zu etwas überreden.
„Guten Tag, Liorin", sagte Mila.
„Guten Tag, Mila. Guten Tag, Fuchs." Liorin sah nicht auf. „Ich messe gerade, wo in diesen Gassen das Glimmern herkommt. Hier eine Quelle, dort eine Quelle. Alles ordentlich."
„Und?", fragte Mila.
„Und", brummte Liorin trocken, „eine Stelle bleibt leer." Er klopfte auf einen Fleck Pergament, auf dem tatsächlich überhaupt nichts stand. „Nicht falsch. Falsch wäre interessant. Falsch könnte ich verbessern. Aber leer ist nur leer." Er zog die Augenbrauen hoch. [sighs] „Karten mögen das nicht. Ich übrigens auch nicht."
Mila beugte sich über das Pergament. Um den leeren Fleck herum wimmelte es von winzigen Zeichen, Punkten und silbernen Linien. In der Mitte: nichts. Ein kleines, stilles Loch mitten in der Stadt.
„Wo ist das?", fragte sie.
„Irgendwo dort, wo du jeden Tag langgehst", sagte Liorin und rollte die Karte zusammen. „Erstaunlich, was man alles hundertmal sehen kann, ohne es einmal anzusehen."
Mila ging weiter. Sie dachte darüber nach, und deshalb merkte sie erst spät, dass Vulpes nicht mehr neben ihr war.
Er stand zwei Schritte zurück. Ganz still. Die Ohren nach vorn gedreht, der Schweif reglos.
Vor ihm lag ein schmaler Durchgang zwischen zwei Häusern. Grauer Putz, ein Stück dunkler Himmel dahinter.
Mila war diesen Weg hundertmal gegangen. [exhales] Diesen Durchgang hatte sie noch nie bemerkt.
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