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Cover: Viele Arten von Klugheit: Die verborgenen Geister der Tierwelt

Sachbuch

Viele Arten von Klugheit: Die verborgenen Geister der Tierwelt

Mit KI erzeugt
Wissenschaft & Naturca. 33 Min.

Eine Krähe baut Werkzeuge, ein Krake denkt mit acht Armen, und ein Bienenvolk trifft Entscheidungen ohne Chef. Was, wenn Intelligenz keine Leiter ist, an deren Spitze wir thronen — sondern etwas viel Seltsameres und Reichhaltigeres?

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Die Leiter, die keine ist

Kapitel 1 von 1 · gesamt 0:00 / 4:14

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Stell dir mal vor, du hältst ein Blatt Papier in der Hand, und da ist so eine Leiter drauf gemalt. Ganz unten die Schnecke, die Qualle, ein Wurm. Dann arbeitet sich das hoch — Fisch, Frosch, Maus, Hund, Affe. Und ganz oben, auf der letzten Sprosse, thront wer?

Ich ahne, worauf das hinausläuft.

[laughs] Genau, wir. Der Mensch. Krone der Schöpfung, hellstes Licht im Raum. Dieses Bild hat doch praktisch jeder von uns irgendwann im Kopf gehabt.

Und es ist ein unglaublich hartnäckiges Bild. Diese Vorstellung, dass Intelligenz sowas ist wie eine Rangliste. Eine Skala von dumm bis schlau, und alle Lebewesen stehen irgendwo drauf, und wir stehen eben oben.

Und heute will ich mit dir genau diese Leiter anzweifeln. Weil ich mich frage — und das ist die große Frage der ganzen Folge: Was, wenn dieses Bild einfach grundfalsch ist?

Das ist eine steile These.

Ich weiß.

Und ich sage das jetzt gleich mal in meiner Rolle als der, der nachbohrt: Falsch in welchem Sinn? Weil, dass ein Mensch mehr kann als eine Qualle, das würde ich ungern bestreiten.

Nein, klar. Es geht nicht darum, dass alle gleich schlau sind. Sondern um die Form. Um die Idee, dass Intelligenz eine einzige Sache ist, eine Linie, auf der man weiter vorne oder weiter hinten liegt.

Ah. Also nicht die Höhe der Leiter — die Leiter selbst.

Die Leiter selbst. Was, wenn Intelligenz gar keine Leiter ist? Sondern eher... ein Werkzeugkasten. Viele verschiedene Erfindungen, die nicht aufeinander aufbauen, sondern nebeneinander stehen.

[exhales] Okay. Das ist tatsächlich ein anderer Gedanke. Und ich merke, ich will jetzt Beispiele. Weil so eine These klingt schön, aber sie muss sich an konkreten Fällen beweisen.

Und die habe ich. Drei Stück. Drei Verdächtige, würde ich sagen.

Verdächtige.

[laughs] Drei Tiere, die dieses schöne Leiterbild ganz schön ins Wanken bringen. Und das Verrückte ist — sie könnten unterschiedlicher kaum sein. Der erste Fall: eine Krähe.

Eine Krähe.

Nicht irgendeine. Eine bestimmte Krähe von einer Insel im Pazifik, die sich Werkzeuge baut. Und zwar nicht einfach nur einen Stock aufhebt — sie biegt sich Haken zurecht. Sie fertigt Angelwerkzeuge an. Und, halt dich fest, sie hebt sie auf. Für später.

Warte. Aufheben für später — das würde ja bedeuten, sie plant.

Genau da will ich hin.

Puh. Okay, das merke ich mir. Und die anderen zwei?

Der zweite ist ein Krake. Ein Tier, das aus verschlossenen Gläsern ausbricht, das aus Aquarien flüchtet, das einzelne Menschen wiedererkennt — und dessen Denken angeblich gar nicht richtig im Kopf sitzt.

Wie, nicht im Kopf?

[whispers] Verteilt. Über den ganzen Körper.

Das musst du mir später erklären, weil das klingt gerade nach Science-Fiction.

Kriegst du. Und der dritte Verdächtige ist gar kein einzelnes Tier. Sondern ein ganzer Schwarm. Ein Bienenvolk, das Entscheidungen trifft — richtig gute Entscheidungen — und zwar durch eine Art Abstimmung.

Eine Abstimmung. Also Demokratie im Bienenstock.

So ungefähr.

[laughs softly] Okay, ich gebe zu, jetzt bin ich neugierig. Und ich sage dir auch, warum das spannend ist. Diese drei — Krähe, Krake, Biene — die sind stammesgeschichtlich nicht einfach nur verschiedene Tiere. Die sind meilenweit voneinander entfernt. Die haben seit Hunderten von Millionen Jahren keinen gemeinsamen klugen Vorfahren.

Und trotzdem sind sie alle drei... schlau.

Auf ihre Art. Und wenn das stimmt, dann wird's wirklich interessant. Weil dann ist Intelligenz eben nicht eine Sache, die einmal entstand und immer besser wurde.

Sondern?

Das ist genau die Frage, oder? Fangen wir mit der Krähe an. Mit dieser Hakenschmiedin auf ihrer Insel. Was macht die genau — und wie hat man das überhaupt herausgefunden?

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