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Cover: Der letzte Herbst am Steilhang

Krimi

Der letzte Herbst am Steilhang

Mit KI erzeugt
Whodunit / Ermittlerca. 40 Min.

Als der angesehene Winzer Anton Reisch während der Weinlese tot am Fuß der Sonnenlay gefunden wird, spricht alles für einen tragischen Unfall – doch Dorfpolizistin Marlene Kessel traut dem Nebel nicht, der sich über den Terrassen der Mittelmosel legt. In einem Dorf, in dem jeder jeden kennt und jeder etwas verschweigt, muss Marlene zwischen alter Zugehörigkeit und unbedingter Wahrheit wählen.

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Nebel über der Sonnenlay

Kapitel 1 von 1 · gesamt 0:00 / 5:04

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Tempo
Schlummer

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Zum Mitlesen: Nebel über der Sonnenlay

Der Nebel kam in dieser Nacht von unten, so wie er es immer tat, wenn der Herbst schwer über der Mosel lag. Er stieg vom Fluss herauf, kroch über die alten Trockenmauern und legte sich in dünnen Schwaden zwischen die Rebzeilen, bis die Terrassen der Sonnenlay aussahen wie Stufen, die ins Nichts führten. Es war kurz nach zehn Uhr am Morgen, und die Sonne war nur eine milchige Ahnung hinter dem Grau. Reilbach schlief noch halb, doch am Fuß des Steilhangs standen sie schon zusammengedrängt, die Männer und Frauen der Erntecrew, und keiner sprach.

Marlene Kessel hörte das Schweigen, bevor sie die Menschen sah. Sie war zu Fuß gekommen, den schmalen Serpentinenweg hinauf, die dunkelblaue Polizeijacke bis zum Kinn geschlossen, der Atem eine kleine weiße Wolke vor ihrem Mund. Zweiundvierzig Jahre alt war sie, das dunkelblonde Haar zu einem strengen Zopf gebunden, und die feine Narbe über ihrer linken Augenbraue zog sich zusammen, als sie den Blick hob. Sie kannte diesen Hang. Sie kannte jeden Stein hier. Und sie kannte den Mann, der reglos am Fuß der untersten Terrasse lag.

Anton Reisch. Neunundfünfzig Jahre, kräftig gebaut, das ergraute Haar kurz geschnitten, die sonnenverbrannte Haut mit den tiefen Falten nun seltsam wächsern im Nebellicht. Er trug seine olivgrüne Arbeitsjacke, die ausgeblichene Cordhose, die schweren Gummistiefel. So, wie er in jeder Lese der letzten dreißig Jahre in den Berg gestiegen war. Nur dass er diesmal nicht wieder heruntergekommen war. Er lag am Boden, halb auf der Seite, und über ihm ragte die Terrassenmauer auf, vielleicht drei Meter hoch, feucht und dunkel vom Tau.

[sighs]

„Er ist früh hoch, allein", sagte Piet Sarközi leise. Der Vorarbeiter stand ein Stück abseits, den kahlrasierten Kopf gesenkt, die orange Warnweste über dem karierten Flanellhemd. „Wollte die obere Zeile prüfen, bevor wir anfangen. Als wir kamen, lag er schon so."

Marlene nickte, ohne zu antworten. Sie ging in die Hocke, nah bei dem Toten, aber ohne ihn zu berühren. Ein Sturz, dachte jeder hier, das las sie in den Gesichtern. Ein alter Mann, ein nasser Morgen, ein glitschiger Stein am Steilhang. Es geschah. Es war schon geschehen, früher, in anderen Herbsten. Der Berg forderte, was er wollte, und die Winzer wussten das. Ein Unglück, tragisch, aber ohne Rätsel.

Und doch stimmte etwas nicht.

Sie richtete sich auf und ließ den Blick langsam über die Szene wandern, so wie man ein Bild betrachtet, an dem ein einzelner Strich falsch sitzt. Da lag die Bütte. Antons Bütte, die große Rückentrage aus dunklem Kunststoff, in der die Helfer die Trauben zum Wingertweg schleppten. Sie war umgekippt, ein Stück von ihm entfernt, und ein paar blaue Trauben waren herausgerollt und lagen im nassen Gras.

Marlene blieb daran hängen. Sie wusste nicht sofort, warum. Dann begriff sie: Der Winkel. Die Bütte lag falsch.

Wenn ein Mann von der Mauer stürzte, mit der Bütte auf dem Rücken, dann riss es ihn nach vorn oder zur Seite, und die Trage schlug in seine Fallrichtung. Dann lag sie zwischen ihm und der Mauer, oder unter ihm, aufgerissen vom Aufprall. Diese Bütte aber lag hinter ihm. Talwärts. Als sei sie abgestellt worden, ordentlich, aufrecht beinahe, und erst danach umgefallen. Als hätte Anton sie gar nicht mehr getragen, als er fiel.

Sie sagte nichts. Sie ließ ihren Blick weitergehen, hinauf zur Mauerkante, und ihr wurde kalt auf eine Weise, die nichts mit dem Nebel zu tun hatte. Hinter ihr murmelten die Helfer, jemand bekreuzigte sich. Irgendwo tropfte Wasser von den Reben. Und Marlene Kessel, die hier geboren war und jeden in diesem Dorf beim Vornamen kannte, spürte zum ersten Mal an diesem Morgen den leisen, unangenehmen Verdacht, dass sie das Falsche sehen sollte. Dass jemand wollte, dass sie hier einen Unfall sah.

[pauses]

Sie zog ihr Handy hervor und wählte die Nummer von Doktor Loos.

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