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Cover: Die Heilerin von Pompeji

Geschichte

Die Heilerin von Pompeji

Mit KI erzeugt
Antikeca. 33 Min.

Im geschäftigen Pompeji des Sommers 79 nach Christus lebt Thaleia als griechische Heilerin und Hebamme — eine Fremde, die man duldet, aber selten ernst nimmt. Doch was zunächst nur kleine Unruhe in ihr weckt, verdichtet sich zu einer bedrängenden Gewissheit, während die Stadt um sie herum sorglos weiterlebt. Dann kommt die Nacht, die alles verändert.

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Der Duft von Kräutern und Garum

Kapitel 1 von 1 · gesamt 0:00 / 4:00

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Tempo
Schlummer

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Zum Mitlesen: Der Duft von Kräutern und Garum

Das Licht kam früh über Pompeji, noch ehe die Sonne die Dächer erreichte. Es kroch durch die schmale Gasse nahe den Stabianer Thermen, tastete über abgetretene Schwellen und legte sich schließlich in den Eingang einer kleinen Werkstatt, in der es nach getrocknetem Thymian, nach Wein und nach warmem Wachs roch. Dort stand Thaleia und schob den hölzernen Laden beiseite, der die Nacht über ihre Praxis verschlossen hatte.

Sie war eine Frau von etwa fünfunddreißig Jahren, schlank, mit dunklem, fast schwarzem Haar, das sie im Nacken zu einem einfachen Knoten geschlungen und mit einer bronzenen Nadel festgesteckt hatte. Die Morgenluft strich über ihre olivfarbene, sonnengebräunte Haut. Über dem ungefärbten Leinenchiton trug sie einen safrangelben Umhang, und an einem Lederband um ihren Hals baumelte ein kleines Fläschchen aus grünem Glas, das bei jeder Bewegung sacht gegen ihre Brust tippte.

Auf der Schwelle döste Argos, ein mittelgroßer, drahtiger Hund mit sandfarbenem, rauem Fell. Über seinem rechten Auge saß ein dunkler Fleck, und die linke Ohrspitze war eingerissen, ein Andenken an die Straße, von der Thaleia ihn geholt hatte. Er hob nur kurz den Kopf, als sie über ihn hinwegstieg, und ließ ihn wieder auf die Pfoten sinken.

Drinnen kniete Nikandros vor einem steinernen Mörser und zerstieß mit gleichmäßigen Stößen getrocknete Blätter. Er war ein magerer Junge von etwa vierzehn Jahren, mit dichtem, schwarzem Wuschelhaar und großen dunklen Augen, die alles beobachteten. Seine graue Tunika war an der Schulter geflickt, und barfuß, wie er stets ging, stemmte er die Zehen gegen den Boden, um mehr Kraft in den Stößel zu legen. »Feiner«, sagte Thaleia, ohne hinzusehen. »Die Wurzel muss zu Staub werden, sonst brennt sie in der Wunde.« Der Junge nickte und beugte sich tiefer über den Mörser.

Von draußen drang das Erwachen der Stadt herein. Fern vom Forum hallten die Rufe der Händler, die Feigen und frisches Brot und billige Öllampen anpriesen. Räder knarrten über das Pflaster, ein Maultier schrie, und irgendwo lachten Kinder, die einen Reifen durch die Gasse trieben und dabei schrille Wetten riefen, wer ihn am weitesten rollen ließe. Über all dem lag, unverwechselbar und beißend, der Geruch der Garum-Werkstätten, jener gegorenen Fischsauce, die Pompeji reich machte und die Nasen der Fremden zum Rümpfen brachte. Thaleia hatte sich längst an ihn gewöhnt. Er gehörte zu dieser Stadt wie das Salz zum Meer.

Bald erschien die erste Besucherin des Tages. Es war Sabina, die Wollhändlerin von nebenan, eine stämmige Frau mit rot gescheuerten Händen, die einen Sohn an der Hand zog. Der Kleine hatte sich am Fuß aufgeschürft, als er über eine Stufe gestolpert war, und blinzelte tapfer die Tränen zurück. »Zeig her«, sagte Thaleia und ließ ihn auf den Schemel steigen. Sie reinigte die Wunde mit in Wein getränktem Leinen, streute etwas von Nikandros' feinem Pulver darauf und wickelte einen sauberen Verband darum. »In drei Tagen springst du wieder wie eine Ziege«, versprach sie, und der Junge grinste.

Sabina blieb noch, während Thaleia die Hände wusch. »Hast du gehört?«, sagte die Nachbarin und senkte die Stimme, wie es Frauen tun, die etwas Wichtiges zu berichten glauben. »Der Brunnen an der Ecke gibt weniger Wasser als sonst. Mein Mann sagt, das käme von der Sommerhitze.« Thaleia trocknete ihre Finger am Umhang und nickte langsam. »Vielleicht die Hitze«, sagte sie. Doch für einen Herzschlag hielt sie inne, [pauses] und ihr Blick glitt zur Türschwelle, wo Argos plötzlich die Ohren gespitzt hatte, obwohl kein Laut die Ruhe störte.

Dann lachte Sabina wieder, nahm ihren Sohn und ging, und die Gasse verschluckte ihre Schritte. Thaleia sah ihr nach, die Hand am grünen Fläschchen, und spürte, wie der Morgen sich mit seinem gewohnten Rhythmus füllte. Es war ein Tag wie jeder andere in Pompeji. Und doch, ganz leise, hatte sich etwas geregt, das sie noch nicht zu benennen wusste. [sighs]

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