
Krimi
Der Schatten der Lobdeburg
Mit KI erzeugtAls Handwerker in einer Jenaer Gründerzeitvilla eine vermoderte Ledertasche hinter der Wand entdecken, erwacht ein Fall aus dem Dezember 1997 zu neuem Leben: die ungeklärte Geschichte der jungen Studentin Henrike Vollrath, die einst tot am Fuß der Lobdeburg gefunden wurde. Kriminalhauptkommissarin Ruth Sänger, die diesen Fall nie vergessen hat, beginnt mit neuen Augen in alten Akten zu lesen — und stößt auf Spuren, die tief in die thüringische Vergangenheit reichen. Was damals als tragischer Bergunfall galt, war vielleicht etwas ganz anderes.
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Was die Wand verbarg
Kapitel 1 von 1 · gesamt 0:00 / 7:24
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So, Mikro läuft, Kopfhörer sitzen … Jakob, du grinst schon wieder so verdächtig.
[laughs] Tu ich das? Vielleicht, weil ich mir heute Morgen tatsächlich den falschen Kaffee gemacht hab. Entkoffeiniert. Aus Versehen.
Nein.
Doch. Ich saß da, hab gewartet, dass irgendwann der Schwung kommt, und es passierte … nichts.
[laughs] Das erklärt so einiges. Also gut, Frischwach oder nicht — was haben wir heute?
Ich hab da was recherchiert. Und ich sag dir, das hat mich die halbe Nacht nicht losgelassen.
Oh, erzähl.
Es fängt ganz harmlos an. Mit einer Hauswand.
Mit einer Wand.
Mit einer Wand. Jena, der Westen der Stadt. Du weißt, diese alten Gründerzeitvillen, die da stehen, rund um den Westbahnhof. Hohe Decken, Stuck, Erkertürmchen — richtig herrschaftlich.
Die kenne ich nur von Fotos, aber ja, das hat was sehr … Bürgerliches. Honoratiorenhäuser.
Genau. Und in einer von diesen Villen wird gerade saniert. Frühjahr, irgendwann morgens, die Handwerker stemmen eine Innenwand auf. Reine Routine, da sollte ein Durchbruch hin.
Mhm.
Und hinter dem Putz, in einem Hohlraum im Mauerwerk, liegt was. Eingemauert, regelrecht. Eine Ledertasche.
Warte. Eingemauert? Nicht reingefallen, nicht verloren — jemand hat sie da reingetan und zugemauert?
So sieht's aus. Eine alte Aktentasche, Leder, total vermodert. Der Reißverschluss verrottet, das Leder schon brüchig. Aber — und das ist der Punkt — man erkennt noch zwei verblasste Initialen, in die Klappe geprägt.
[breathes] Okay, das ist gruselig schön. Und welche Initialen?
H. V.
H. V. … sagt mir jetzt erst mal nichts.
Dir nicht. Aber jemandem schon. Und jetzt kommt die Person, um die sich die ganze Geschichte dreht. Eine Kriminalhauptkommissarin. Ruth Sänger. Achtundfünfzig, Kaltfallkommission Thüringen.
Kaltfall — also alte, ungelöste Fälle.
Genau. Und Sänger ist gebürtige Jenaerin. Die kennt diese Stadt, die kennt die Hänge, die Saale, die kennt die Leute. Und als der Fund über ihren Tisch geht, als sie die Fotos sieht — diese Tasche, dieses H. V. — da, sagt sie später, sei ihr richtig kalt geworden.
Weil sie wusste, wem die Tasche gehört.
Sofort. Henrike Vollrath. Henni, haben sie alle genannt. Dreiundzwanzig Jahre alt. Studentin in Jena, Restaurierung und Kunstgeschichte.
[pauses] Und ich ahne, dass das keine schöne Geschichte wird.
Nein. Henrike ist tot. Schon lange. Sie ist im Dezember neunzehnhundertsiebenundneunzig gestorben.
Puh. Also über fünfundzwanzig Jahre her.
Über fünfundzwanzig Jahre. Man hat sie damals gefunden, am Fuß eines Hangs. Unterhalb der Lobdeburg — das ist eine Burgruine über dem Pennickental, südöstlich von Jena, mitten im Wald.
Und was war die offizielle Version?
Bergunfall. Sturz. Junge Frau, nachts allein unterwegs, dunkler Hang, vereister Boden — abgerutscht, gefallen. Tragisch, aber: Unglück. Akte zu.
Und die Tasche?
Die war nie aufgetaucht. Die war einfach … weg. Damals dachte man wohl, sie liegt irgendwo im Laub, verrottet im Wald. Niemand hat groß gesucht.
Und jetzt liegt sie eingemauert in einer Villa mitten in der Stadt.
Kilometerweit weg vom Fundort. Hinter einer Wand. Und das, Lena, ist der Moment, in dem aus einem alten Unglücksfall plötzlich wieder eine Frage wird.
[exhales] Okay, warte, noch mal kurz von vorn, damit ich's sortiert hab. Henrike stürzt angeblich nachts am Hang. Ihre Tasche bleibt verschwunden. Über zwanzig Jahre später taucht genau diese Tasche auf — aber nicht im Wald, sondern eingemauert in einem Haus in der Stadt.
Exakt.
Eine Tasche mauert sich nicht selber ein.
[laughs softly] Nein. Tut sie nicht.
Das heißt, jemand hatte diese Tasche. Jemand wollte, dass sie nie gefunden wird. Und wer eine Tasche versteckt, der hat was zu verbergen.
Und genau das denkt Sänger auch. Aber jetzt musst du verstehen, warum dieser Fall ausgerechnet bei ihr so reinhaut. Neunzehnhundertsiebenundneunzig — da war Sänger junge Beamtin. Ganz am Anfang. Und sie hat diesen Fall damals am Rande miterlebt.
Oh.
Sie war nicht die Ermittlerin. Aber sie war dabei, irgendwo am Rand, als das alles lief. Und sie hat gespürt, dass da was nicht stimmt. Dass diese junge Frau zu schnell zu den Akten gelegt wurde.
So ein Fall, der einem nie aus dem Kopf geht.
Der eine. Sie sagt selbst, in ihrer ganzen Laufbahn gab es genau diesen einen Fall, bei dem sie nie das Gefühl loswurde: Da hat niemand richtig hingeschaut. Und das Schlimmste — Henrike war so eine, die nie jemand ernst genommen hat.
Wie meinst du das?
Na, dreiundzwanzig, Studentin, ein bisschen verträumt, hat sich in alte Familiengeschichten verbissen, hat in Archiven gewühlt. Für viele war sie einfach das Mädchen, das sich in Dinge reinsteigert. Und als sie tot war, hat man genau das wieder gedacht — ach, die war eben nachts allein im Wald, selber schuld.
[sighs] Das ist so bitter. Da stirbt ein Mensch, und das Erste, was man tut, ist, sie kleinzureden.
Und genau das wurmt Sänger bis heute. Stell dir die Szene vor: Sie sitzt im Archiv. So ein Kaltfallarchiv, das ist kein gemütlicher Ort, das ist kalte Luft, Neonlicht, Regale voller Kartons mit Schicksalen drin. Und sie hat diese alte, dünne Akte vor sich.
Mhm.
Draußen liegt das Saaletal im Nebel. Sie sieht aus dem Fenster, die Hänge sind kaum zu erkennen, alles grau. Und vor ihr dieses Foto von der vermoderten Tasche mit den zwei Buchstaben. Und sie weiß: Wenn ich das jetzt nicht aufmache, macht es keiner mehr.
Und dann setzt sie die Wiederaufnahme durch.
Sie setzt sie durch. Was nicht selbstverständlich ist, das musst du dazu sagen — ein Fall, der offiziell ein Unglück war, einer, den damals jemand sehr bewusst geschlossen hat. Aber Sänger kämpft das durch. Und sie holt sich Verstärkung.
Wen denn?
Einen jungen Kollegen. Tobias Krell, Tobi, einunddreißig. Digitalforensik, Spurenrekonstruktion. Und der ist in fast allem ihr Gegenteil.
Wie meinst du, Gegenteil?
Sänger glaubt an Menschen. An Gespräche, an das, was Leute verschweigen, an Bauchgefühl. Tobi glaubt an Daten. An Technik. Sein Satz ist: Kein Fall ist wirklich tot, man muss nur die richtigen Spuren zum Reden bringen.
[laughs softly] Die beiden vertragen sich bestimmt prächtig.
Anfangs eher … reibungsvoll. Aber genau diese Reibung wird den Fall knacken.
Okay. Eine eingemauerte Tasche, ein totes Mädchen, ein Unglück, das keins war. Und dann? Wie ging es weiter?
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