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Cover: L'Etat et Moi: Die wahre Geschichte von Blumfeld

Sachbuch

L'Etat et Moi: Die wahre Geschichte von Blumfeld

Mit KI erzeugt
Biografien & Lebenswegeca. 21 Min.

In den frühen Neunzigern galt deutschsprachiger Rock als hoffnungslos uncool — bis eine Hamburger Band anfing, über Foucault, Liebe und Kapitalismus zu singen, ohne sich dafür zu entschuldigen. Was Blumfeld daraus machte, war mehr als Musik: Es war eine kulturelle Behauptung, die eine ganze Generation neu hören ließ. Wie das gelang und warum ausgerechnet der umstrittenste Schritt der Bandgeschichte ihr mutigster war, davon handelt dieses Buch.

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Ein Land ohne kluge Popmusik

Kapitel 1 von 1 · gesamt 0:00 / 4:10

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Tempo
Schlummer

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Zum Mitlesen: Ein Land ohne kluge Popmusik

Stell dir Deutschland zu Beginn der neunziger Jahre vor. Die Mauer ist gefallen, das Land sucht sich neu, und im Radio läuft eine Musik, für die sich viele junge, kluge Menschen ein bisschen schämen. Denn wer damals auf Deutsch sang, der landete fast unweigerlich in einer von zwei Schubladen. Die eine hieß Schlager, mit heiler Welt, Reimen auf Herz und Schmerz und einer Fröhlichkeit, die niemandem wehtun wollte. Die andere war das, was von der Neuen Deutschen Welle übrig geblieben war, jener Explosion der frühen Achtziger, die einmal aufregend und kantig gewesen war und nun als Klamauk endete, als Partygaudi mit Käsehimmel und Sonnenbank. Deutscher Gesang, das bedeutete für viele einfach: peinlich.

Und genau hier beginnt die eigentlich spannende Frage, um die es in dieser Geschichte geht. Musste das so sein? Konnte man auf Deutsch nicht auch anders singen, klüger, härter, ehrlicher? Konnte eine Sprache, in der Philosophen wie Kant und Hegel geschrieben hatten, im Pop wirklich nur zu Schunkelversen taugen? Es gab damals eine Handvoll Menschen, vor allem in einer Stadt, die davon überzeugt waren, dass es auch anders geht. Und diese Stadt war Hamburg.

Im Jahr neunzehnhundertneunzig fand sich dort eine Band zusammen, die genau das ändern wollte. Im Zentrum stand Jochen Distelmeyer, damals Anfang zwanzig, schlank, mit halblangem dunklem Haar, meist in schlichter Indie-Kleidung, T-Shirt und Jacke, und mit einem nachdenklichen, fast bohrenden Blick. Neben ihm der Bassist Eike Bohlken, jung, lässig, unauffällig, einer, der nicht das Rampenlicht suchte, sondern das musikalische Fundament legte. Und am Schlagzeug André Rattay, energisch und kräftig, der dem Ganzen seinen treibenden, rohen Puls gab. Drei junge Männer, die einen ziemlich großen Anspruch hatten: Sie wollten beweisen, dass deutschsprachige Popmusik zugleich intelligent und politisch und trotzdem mitreißend sein konnte.

Sie waren damit nicht allein, und das ist wichtig zu verstehen. Rund um sie herum entstand ein loses Netzwerk aus Bands, Musikern und Freunden, das man später die Hamburger Schule nennen würde. Das war keine Schule im eigentlichen Sinn, kein Gebäude, kein Lehrplan, sondern eher eine Haltung, eine geteilte Idee davon, wie Musik klingen und was sie sagen durfte. Man verband die rohe Energie und die Do-it-yourself-Attitüde des Punk mit einem literarischen Anspruch, der sich vorher kaum jemand getraut hatte. Texte, die man ernst nehmen konnte, über einer Musik, die man ernst nehmen musste.

Das Rückgrat dieser Bewegung waren zwei Plattenlabels, und hinter beiden stand derselbe Mann: Alfred Hilsberg. Sein erstes Label hieß Zick Zack, und es hatte schon in den frühen Achtzigern deutschem, kompromisslosem Underground ein Zuhause gegeben. Später gründete er L'Age d'Or, das goldene Zeitalter, und gerade dieses Label wurde zur eigentlichen Heimat der neuen Hamburger Klänge. Hilsberg schuf damit die Infrastruktur, ohne die all die klugen Köpfe nur in Proberäumen geblieben wären. Er gab ihnen die Möglichkeit, gehört zu werden.

[sighs] In diesem Klima, zwischen Punkgitarren und Büchern, zwischen Politik und Poesie, machte sich Blumfeld daran, das erste Zeichen zu setzen. Und dieses Zeichen sollte ausgerechnet einen französischen Königsspruch im Titel tragen.

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