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Cover: Die doppelte Braut

Krimi

Die doppelte Braut

Mit KI erzeugt
Whodunit / Ermittlerca. 41 Min.

Berlin, Herbst 1925: Als der Fabrikant Konrad Bähring tot am Bühneneingang des Varietés 'Palast der Nachtigall' aufgefunden wird, scheint der Fall zunächst klar — doch Kommissar Reinhold Vollbrecht stößt schon bald auf eine Verlobte, die gleich zwei Männer unter zwei Namen bezirzt. Hinter Pailletten, Puder und dem Glanz der Goldenen Zwanziger verbergen sich jahrzehntealte Geheimnisse, und je tiefer Vollbrecht gräbt, desto mehr zeigt sich: In diesem Varieté spielt nicht nur eine Person eine Doppelrolle.

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Ein Toter am Bühneneingang

Kapitel 1 von 1 · gesamt 0:00 / 5:07

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Tempo
Schlummer

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Zum Mitlesen: Ein Toter am Bühneneingang

Der Nebel lag an jenem Freitagabend wie nasse Watte über dem Kurfürstplatz, und er verschluckte die Geräusche der Stadt, bis nur noch ein gedämpftes Rauschen blieb. Über dem Eingang des Varietés flimmerte die Leuchtreklame, "Palast der Nachtigall", in geschwungenen roten Buchstaben, doch einer der Buchstaben zuckte und erlosch immer wieder, als wollte er im Dunst nicht länger brennen. Das Kopfsteinpflaster glänzte feucht, und die Gaslaternen warfen milchige Höfe aus Licht, in denen der Nebel wie lebendig wirbelte.

Es war kurz nach Mitternacht, kaum eine Viertelstunde nach der letzten Vorstellung, als der Ruf die Wache am Alexanderplatz erreichte. Ein Toter am Bühneneingang. Nun stand ein junger Schutzmann mit bleichem Gesicht vor der schmalen Seitentür in der Gasse und trat von einem Fuß auf den anderen, als könne er so die Kälte oder das Grauen abschütteln.

Reinhold Vollbrecht kam ohne Eile aus dem Nebel. Er war ein Mann von etwa fünfzig Jahren, kräftig gebaut, das kurzgeschnittene graumelierte Haar unter dem steifen Filzhut mit einem Seitenscheitel gebändigt. Sein Teint war blass, und unter den Augen lagen die müden Schatten vieler durchwachter Nächte. Über dem grauen Anzug trug er einen dunkelbraunen Wollmantel, und an einer silbernen Kette baumelte eine abgegriffene Taschenuhr, die er im Gehen aus der Weste zog und wieder verschwinden ließ.

Hinter ihm hastete Assistent Kudicke, Anfang zwanzig, hager, das rotblonde gewellte Haar vom Nebel angefeuchtet. Sein karierter Anzug saß eine Nummer zu groß, und hinter dem Ohr klemmte, wie immer, ein Bleistift. Er zückte bereits das Notizbuch aus der Brusttasche, noch ehe er den Toten überhaupt gesehen hatte.

"Da liegt er, Herr Kommissar", sagte der Schutzmann und deutete mit dem Kinn in den Lichtkegel einer Laterne.

Am Fuß der drei ausgetretenen Stufen zum Bühneneingang lag ein Mann auf dem nassen Pflaster. Er war um die fünfundvierzig, untersetzt, das schüttere dunkelblonde Haar sorgsam zurückgekämmt. Der teure dunkelblaue Nadelstreifenanzug spannte über dem Bauch, und im Licht schimmerten die goldene Uhrkette und ein breiter Siegelring an seiner Hand. Das gerötete Gesicht war der Feuchtigkeit zugewandt, still und ohne jede Regung.

Vollbrecht ging in die Hocke, langsam, die Knie knackten. Er betrachtete den Mann, ohne ihn zu berühren. "Konrad Bähring", murmelte er. "Den Namen kenne ich. Der Fabrikant. Der mit der Knopf- und Spangenfabrik draußen in Oberschöneweide. Ein Mann, der es weit gebracht hat." Er ließ den Blick wandern, über die tadellosen Manschetten, über die polierten Schuhe, über den Siegelring, dessen Wappen im Gaslicht matt aufblitzte.

"Beraubt?", fragte Kudicke eifrig und beugte sich vor.

"Sieh dir die Uhrkette an, Kudicke. Das Gold. Den Ring." Vollbrecht schüttelte langsam den Kopf. "Ein Räuber hätte all das mitgenommen. Nein. Wer immer das hier getan hat, wollte nicht sein Geld." [pauses] Er richtete sich auf und sah zur schmalen Tür hinauf, die einen Spalt offen stand und aus der ein warmer Streifen Licht und der Geruch von Puder, Schminke und kaltem Zigarrenrauch quoll.

"Kurz nach der Vorstellung, sagen Sie?", wandte er sich an den Schutzmann.

"Die Garderobiere hat ihn gefunden, Herr Kommissar. Keine zehn Minuten, nachdem der Vorhang gefallen war. Sie steht drinnen, ganz aufgelöst."

Vollbrecht nickte bedächtig und blickte in die Gasse hinein, dorthin, wo der Nebel jede Sicht nach wenigen Schritten in Grau auflöste. Ein reicher Mann, mitten im mondänen Berlin, tot vor dem Hintereingang eines Varietés, in dem er nichts zu suchen schien und doch offenbar erwartet worden war. Kein Räuber, der ihn ausgenommen hätte. Und dennoch lag er hier, am schäbigsten Ort dieses glänzenden Hauses.

[sighs] "Was", sagte Vollbrecht leise, mehr zu sich selbst, "führt einen Herrn wie Sie um diese Stunde an einen Ort wie diesen?"

Der defekte Buchstabe über dem Eingang zuckte noch einmal auf und erlosch. Vollbrecht zog seinen Mantel enger und stieg die feuchten Stufen hinauf, dem warmen Licht entgegen, in dem bereits leise Stimmen wisperten und wartende Gesichter sich im Halbdunkel drängten.

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