
Belletristik
Die halb aufgezogene Uhr
Mit KI erzeugtSamstagmorgen im Rosengarten, und die alte Parkuhr tickt schon – dabei war es noch niemand aus der Bande! Lena, Ben, Mia und Tobi folgen einer Spur aus halben Umdrehungen, einem verlorenen roten Handschuh und einem geheimnisvollen Zettel. Wer hat sich da heimlich um die Uhr gekümmert – und traut sich nicht, es zu sagen?
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Titelsong
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Kapitel
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Es gibt Dinge im Leben, die passieren jeden Samstag. Die Sonne kommt über die Dächer. Die Enten am Teich machen Lärm, als hätte jemand ihnen etwas weggenommen. Und vier Kinder gehen über den Kiesweg in den Rosengarten, um die alte Parkuhr aufzuziehen. Vorne ging Lena. Lena war neun Jahre alt, hatte braune Haare zu zwei Zöpfen mit roten Haargummis und Sommersprossen auf den Wangen. Sie trug ihre gelbe Regenjacke und grüne Gummistiefel, auch heute, obwohl am Himmel keine einzige Wolke war. Um den Hals baumelte ihr Fernglas. Alle da? Stütze? Stütze ist da. Und der Schraubenzieher. Und die Schnur, falls wir sie brauchen. Ben war acht, hatte kurze schwarze Locken und eine blaue Brille. Über der Schulter hing seine große Umhängetasche, in der immer genau das Ding steckte, das gerade fehlte. Notizbuch? Habe ich. Ich habe schon geschrieben, dass heute zwei Amseln am Rosenbeet waren. Mia war sieben. Ihre langen roten Haare waren zu einem Pferdeschwanz gebunden, und auf ihrem lila Pulli blühten Blumen aus Wolle. Das kleine Notizbuch hielt sie fest in der Hand, wie andere Kinder ein Eis. Kekse? Kekse sind da! Ich habe sie sogar gezählt. Es waren elf. Jetzt sind es zehn. [laughs] Tobi. Ich musste prüfen, ob sie noch gut sind. Das ist wichtig. Tobi war sechs. Unter seiner roten Mütze standen blonde Wuschelhaare in alle Richtungen, und sein Fußballtrikot war ungefähr drei Nummern zu groß. Die Keksdose trug er unter dem Arm, als wäre sie aus Gold. Und Tobi hatte die wichtigste Aufgabe von allen. Nur er war klein und leicht genug, um am Pfosten der alten Parkuhr hinaufzuklettern. So gingen sie den Kiesweg entlang, vorbei an der alten Eiche, über die Wiese, die noch nass war vom Tau. Dann bog der Weg zum Rosengarten. Und dort blieb Mia plötzlich stehen. Pssst. Seid mal ganz still. Warum? Ich bin doch still. Ich bin superleise. Ich bin die leiseste Person im ganzen Park. Tobi. Hör doch. Und da war es. Ein leises, ruhiges Ticken. Tack. Tack. Tack. Die alte Parkuhr auf ihrem Pfosten mitten im Rosengarten lief. Das ist unmöglich. Sie tickt. Sie kann nicht ticken. Wir ziehen sie jeden Samstag auf. Und heute haben wir sie noch nicht aufgezogen. Also müsste sie stehen. Sie tickt trotzdem. Die vier gingen näher. Die Rosen standen still in ihren Beeten. Der Pfosten war grau und verwittert, und oben, unter dem kleinen Blechdach, zeigte das runde Zifferblatt mit den alten schwarzen Zahlen die Zeit. Die richtige Zeit. Und der Zeiger bewegte sich. Aber... aber das ist meine Uhr. Tobi. Ich meine, nicht meine Uhr. Aber das Hinaufklettern ist meins. Das ist das Einzige, was nur ich kann. Ben ist zu schwer. Du bist zu groß. Mia will nicht. Ich klettere. Das mache ich. Jeden Samstag. Tobis Stimme wurde ganz klein am Ende. Er drückte die Keksdose an sich, und zum ersten Mal an diesem Morgen machte er keinen Witz. Hey. Komm her. Niemand hat dir irgendwas weggenommen. Jemand war vor mir da. Jemand ist hochgeklettert. Auf meinem Pfosten. Dann finden wir heraus, wer. Das ist ein Fall. Und wenn wir einen Fall haben, dann brauchen wir alle. Auch dich. Vor allem dich. Moment. Ich schaue mir den Pfosten an. Ben ging um den Pfosten herum, einmal ganz langsam. Er fuhr mit der Hand über das Holz, von unten nach oben, so weit er reichte. Interessant. Was ist interessant? Sag es sofort. Der Pfosten ist trocken. Überall ist noch Tau, schau, die Wiese ist nass, das Geländer ist nass. Aber hier vorne am Pfosten ist alles trocken abgewischt. Das ist von Händen. Und von Schuhen. Also ist wirklich jemand hochgeklettert. Ja. Und zwar vor gar nicht langer Zeit. Sonst wäre es wieder feucht. Mia, schreib es auf. Alles. Ich schreibe schon. Samstagmorgen. Die Uhr zeigt neun Uhr und sieben Minuten. Und sie geht richtig, ich habe mit der Kirchturmglocke verglichen. Wenn sie richtig geht, hat derjenige sie auch richtig gestellt. Das macht man nicht aus Versehen. Vielleicht war es ein Riese. Ein Riese. Ein sehr netter Riese. Der muss gar nicht klettern, der stellt sich einfach hin und macht so. Zack. Aufgezogen. [laughs softly] Ein Riese hätte die Rosen zertreten. Die Rosen sind heil. Stimmt. Dann war es kein Riese. Schade. Lena hob ihr Fernglas und drehte sich einmal langsam im Kreis. Sie sah über die Wiese. Über den Kiesweg. Zur Steinbrücke, zum Kletterhügel, hinüber zum Ententeich. Der Park war weit und friedlich und fast leer. Niemand zu sehen. Die Frage ist nicht nur, wer. Die Frage ist auch, warum. Wer klettert früh am Morgen heimlich auf einen Pfosten, um eine alte Uhr aufzuziehen, und geht dann einfach weg, ohne es irgendwem zu erzählen? Jemand, der nicht gefunden werden will. Oder jemand, der sich nicht traut. Einen Moment lang sagte keiner etwas. Nur die Uhr tickte weiter über ihnen. Tack. Tack. Tack. Ganz ruhig, als wüsste sie längst die Antwort und würde sie einfach nicht verraten. Ich habe einen schrecklichen Gedanken. Was denn? Was ist, wenn Herr Sonntag es war? Wenn er ganz allein hochgeklettert ist? Er ist doch so alt. Er hat einen Stock. Und plötzlich war der Fall nicht mehr nur ein Rätsel. Vier Kinder drehten sich gleichzeitig um und rannten los, den Kiesweg entlang, zu der Bank am Rand des Rosengartens.
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