
Belletristik
Mathetilda und die leeren Netze
Mit KI erzeugtSeit zwei Wochen kommen die Boote der Hafenstadt mit leeren Netzen zurück – und niemand weiß warum. Jeder hat eine Erklärung, aber die siebenjährige Mathetilda weiß: Raten hilft nicht, Rechnen schon. Mit ihrem karierten Heft und ihrer Katze Pfötchen macht sie sich auf die Suche nach dem Rätsel hinter den ausbleibenden Fischen.
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Titelsong
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Die Sonne stieg langsam über der kleinen Hafenstadt auf. Sie färbte das Wasser golden und ließ die Masten der Boote glitzern. Die Möwen kreischten und drehten ihre Runden über dem Kai. Es roch nach Salz, nach Tang und nach einem neuen Tag. An einem solchen Morgen wachte die ganze Stadt gern auf. Über die Steine des Kais kam ein Mädchen gelaufen. Es war Mathetilda, sieben Jahre alt, mit zwei wippenden Pferdeschwänzen, einer links und einer rechts. Auf ihrem Lieblings-T-Shirt leuchtete ein geheimnisvolles Zeichen, das aussah wie ein kleines Tor mit zwei Beinen. Neben ihr trottete ihr Papa, ein kräftiger Mann mit kurzen braunen Haaren, Wollmütze und Gummistiefeln. Und ganz vorn sprang eine kleine getigerte Katze mit weißen Pfoten und einem roten Halsband, an dem ein Glöckchen klingelte: Pfötchen. Papa, hörst du das? Der Hafen am Morgen ist mein Lieblingsgeräusch. Gleich rufen die Fischer, wie viel sie gefangen haben! Genau, mein Schatz. Und dann kaufen wir den dicksten Fisch für das große Hafenfest. Komm, lass uns schauen, wer schon zurück ist. Aber etwas war anders an diesem Morgen. Kein fröhliches Rufen. Kein Lachen. Keine Fischer, die stolz ihre Körbe hochhielten. Stattdessen standen die Männer und Frauen still am Kai und schüttelten die Köpfe. Ihre Netze hingen schlaff und leer über den Bootsrändern. Papa, warum ist es so leise? Wo sind denn die Fische? Am nächsten Boot kniete ein Fischer und breitete traurig sein Netz auf den Steinen aus. Es war Fischer Toam, ein wettergegerbter Mann mit graumeliertem Bart, gelber Regenjacke und blauer Fischermütze. Er strich mit der Hand über das Netz. Es war trocken. Nicht ein einziger Fisch hatte sich darin verfangen. Wieder nichts, Kleine. Seit zwei Wochen ist das nun schon so. Wir fahren hinaus, wir werfen die Netze, wir warten. Und wir kommen mit leeren Händen zurück. Zwei ganze Wochen? Aber das sind ja vierzehn Tage hintereinander ohne Fisch! So ist es. Und ich verstehe die Welt nicht mehr. Mein Netz ist heil. Mein Boot ist heil. Nur das Meer will uns nichts geben. Da kamen schnelle Schritte über den Kai. Eine freundliche Frau mit lockigem grauem Haar und einem leuchtend roten Schal um die Schultern eilte heran. Es war Marla, die Bürgermeisterin der Stadt. Ihr sonst so fröhliches Gesicht sah heute besorgt aus. Guten Morgen, ihr Lieben. Bitte sagt mir, dass heute wenigstens ein paar Fische im Netz waren. Kein einziger, Marla. Bei keinem von uns. Oje. Das ist schlecht. Ohne Fang gibt es kein großes Hafenfest. Kein gebratener Fisch, keine vollen Tische, keine fröhlichen Gäste. Und das Fest ist doch schon so bald! Nun begannen alle durcheinanderzureden. Jeder hatte eine Erklärung, und jede klang anders als die letzte. Ich sage euch, die Fische sind fortgezogen. Einfach weggeschwommen, weit hinaus, wo wir sie nie erreichen. Vielleicht ist das Wasser zu warm geworden. Fische mögen es nicht, wenn das Wasser zu warm ist. Oder es liegt am Wetter. Die letzten Tage war der Wind so wechselhaft, mal von hier, mal von da. Manche sagen sogar, es liege am Mond. Der Mond zieht das Wasser, und wenn er falsch steht, bleiben die Netze leer. Und die alte Netzflickerin meint, es liege an der Farbe der Boote. Die roten und blauen fangen angeblich nichts mehr. Mathetilda stand still zwischen den Erwachsenen und hörte allen genau zu. Sie legte den Kopf schief, erst zur einen, dann zur anderen Seite. In ihrem Kopf begann es leise zu arbeiten. Fortgezogene Fische. Zu warmes Wasser. Das Wetter. Der Mond. Die Farbe der Boote. Das sind ja ganz schön viele Erklärungen für ein einziges Rätsel. Ja, und jeder ist sich ganz sicher, dass gerade seine die richtige ist. Aber das ist doch komisch, Papa. Wenn wirklich der Mond schuld wäre, wie würde man das prüfen? Und wenn es die Farbe der Boote wäre, warum fangen dann auch die anderen nichts? Bei jedem Satz weiß ich nicht, wie ich herausfinden soll, ob er stimmt. Und da hatte Mathetilda ihren ersten wichtigen Gedanken an diesem Morgen. Keiner dieser Sätze half wirklich weiter. Denn niemand konnte sie nachprüfen. Man konnte sie nur glauben oder nicht glauben. Und Glauben, das wusste Mathetilda, fängt keine einzige Kiste voll Fisch. Während die Erwachsenen weiter seufzten und rätselten, war Pfötchen leise davongeschlichen. Sie saß nun ganz am Ende der Mole, kerzengerade, den Schwanz ordentlich um die Pfoten gelegt. Sie starrte hinaus über das Wasser und ließ die kreisenden Möwen nicht aus den Augen. Miau. Pfötchen? Was schaust du denn so gebannt? Da oben sind doch nur Möwen. Doch die kleine Katze rührte sich nicht. Sie schaute und schaute, als wüsste sie längst etwas, das die Menschen noch nicht sahen. Mathetilda spürte ein Kribbeln im Bauch. Die Fische waren weg, das Fest war in Gefahr, und die Erwachsenen hatten nur Vermutungen. Aber Mathetilda hatte etwas anderes dabei, tief in ihrer Tasche. Und langsam bekam sie eine Idee.
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