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Cover: Radium-Zahnpasta und blutige Klingen: Die größten Irrtümer der Medizingeschichte

Sachbuch

Radium-Zahnpasta und blutige Klingen: Die größten Irrtümer der Medizingeschichte

Mit KI erzeugt
Gesundheit & Körperca. 34 Min.

George Washington stirbt nicht an seiner Krankheit – er stirbt an seiner Behandlung. Seine Ärzte sind die besten der Welt, handeln nach bestem Wissen, und töten ihn trotzdem. Wie war das möglich, und was unterscheidet uns wirklich von ihnen?

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Der Tod eines Präsidenten

Kapitel 1 von 1 · gesamt 0:00 / 4:15

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Zum Mitlesen: Der Tod eines Präsidenten

Stell dir vor, es ist der vierzehnte Dezember, siebzehnhundertneunundneunzig. Draußen liegt Schnee über Virginia, es ist eiskalt, und in einem großen Herrenhaus namens Mount Vernon liegt ein alter Mann im Bett und ringt nach Luft.

Und dieser alte Mann ist nicht irgendwer.

Nein. Das ist George Washington. Der erste Präsident der Vereinigten Staaten. Der Mann, der eine Revolution angeführt hat. Und er stirbt gerade an — Halsschmerzen.

[exhales] Also, nennen wir es fairerweise eine schwere Halsentzündung. Wahrscheinlich eine Kehlkopfentzündung, die ihm die Atemwege zuschnürt. Aber im Kern hast du recht: Es fing an wie bei uns allen. Ein Kratzen im Hals.

Er war am Tag zuvor stundenlang bei Schneeregen über sein Anwesen geritten. Kam durchnässt heim, wollte das Abendessen nicht warten lassen, saß in den nassen Kleidern am Tisch. Und in der Nacht wacht er auf und kriegt kaum noch Luft.

Und jetzt kommt der Teil, bei dem heutige Ohren zusammenzucken. Noch bevor überhaupt ein Arzt da ist, lässt Washington sich zur Ader lassen.

Warte, er selbst will das?

Er selbst verlangt das. Er ruft seinen Gutsverwalter, einen Mann namens Rawlins, und der öffnet ihm eine Vene. Ungefähr ein Drittel Liter Blut, gleich zu Beginn.

Puh. Und das ist erst der Anfang.

Das ist erst der Anfang. Im Laufe des Tages kommen drei Ärzte dazu — die renommiertesten der Region. Und die machen im Grunde weiter. Aderlass, Aderlass, Aderlass.

Wie viel insgesamt?

Die Schätzungen gehen auseinander, aber die meisten Historiker landen bei rund zweieinhalb Litern Blut innerhalb von etwa zwölf Stunden.

[breathes] Zweieinhalb Liter. Ein erwachsener Mensch hat ungefähr fünf Liter im Körper.

Richtig. Sie haben ihm an einem einzigen Tag rund die Hälfte seines Blutes abgenommen.

Also, ganz ehrlich, wenn ich das so höre, denke ich sofort: Das waren doch Kurpfuscher. Das waren Scharlatane, die einen kranken alten Mann ausbluten lassen.

Und genau das ist der Punkt, an dem ich dich bremsen muss. Weil das die bequeme Antwort ist. Und sie ist falsch.

Erklär.

Diese drei Männer waren keine Hinterhof-Quacksalber. Das waren angesehene, studierte Mediziner. Einer von ihnen, James Craik, war Washingtons persönlicher Freund und langjähriger Leibarzt, ein erfahrener Militärarzt. Die haben nach dem allerbesten Wissen ihrer Zeit gehandelt.

Das heißt, das war keine Panne. Das war Lehrbuch.

Das war Lehrbuch. Wenn du damals an einer beliebigen Universität in Europa oder Amerika Medizin studiert hast, hättest du es exakt so gelernt. Aderlass bei einer Entzündung, das war state of the art. Das war die richtige Behandlung.

[pauses] Okay, das dreht mir gerade den Kopf. Die besten Ärzte, der beste Wille, die anerkannte Methode — und am Ende ist der Patient tot, vielleicht sogar gerade deswegen.

So sieht es aus. Am späten Abend des vierzehnten Dezember stirbt Washington. Und viele Mediziner heute sagen: Der Blutverlust hat ihn mindestens mit umgebracht. Ein ausgezehrter Körper, der ohnehin gegen eine Infektion kämpft, dem du dann noch die Hälfte des Blutes nimmst — das ist keine Hilfe.

Und trotzdem war da niemand böswillig. Niemand hat gepfuscht.

Niemand. Und das ist das Paradox, um das sich diese ganze Folge dreht. Wir reden über die größten Irrtümer der Medizingeschichte. Über Radium, das man getrunken hat. Über strahlende Zahnpasta. Über Magnetismus als Heilkunst. Und die verlockende Frage ist immer: Wie konnten Menschen nur so dumm sein?

Und deine Antwort ist: Sie waren nicht dumm.

Sie waren nicht dumm. Sie waren klug, ernsthaft, gebildet. Und sie lagen zweitausend Jahre lang falsch.

Zweitausend Jahre. Das ist keine Panne, das ist eine Weltordnung. Wie kann eine Idee so lange überleben, obwohl sie Menschen umbringt? Was hat diese Ärzte so absolut überzeugt, dass ein Aderlass richtig ist?

Dafür müssen wir viel weiter zurück. Bis zu vier Flüssigkeiten, die angeblich über Leben und Tod entscheiden.

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