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Cover: Die Stadt unter der Stadt

Sachbuch

Die Stadt unter der Stadt

Mit KI erzeugt
Wissenschaft & Naturca. 33 Min.

Direkt unter unseren Füßen liegt eine zweite Stadt – tiefer, älter und komplexer als alles, was wir sehen. Was verbirgt sich in den Schichten unter London, Paris oder New York? Und was hat das alles mit der Frage zu tun, wie Metropolen der Zukunft aussehen werden?

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Der doppelte Boden

Kapitel 1 von 1 · gesamt 0:00 / 4:11

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Tempo
Schlummer

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Jonas, mach mal die Augen zu. Wir stehen mitten in einer Großstadt, auf einem ganz normalen Bürgersteig, Feierabendverkehr, Menschen mit Kaffeebechern. Und jetzt sag mir: Wie tief ist diese Stadt?

Wie tief? Also, die Hochhäuser gehen locker hundert, zweihundert Meter hoch.

Nein, nein, nicht nach oben. Nach unten.

Ah. [pauses] Nach unten. Hm. Ein Keller, eine Tiefgarage, ein U-Bahn-Tunnel vielleicht. Sagen wir, zwanzig Meter?

Und genau da fangen die meisten Leute an, sich komplett zu verschätzen. Denn es gibt diese Behauptung, über die ich gestolpert bin, und die hat mich echt nicht mehr losgelassen: Die meisten Großstädte sind ungefähr doppelt so tief, wie sie hoch aussehen.

Warte, noch mal von vorn. Doppelt so tief?

Doppelt so tief. Also nicht in Metern eins zu eins, sondern im Sinne von: Alles, was du oben siehst, hat unter der Oberfläche noch mal eine ganze zweite Stadt. Eine komplette, funktionierende, dicht gepackte Welt, die wir nie zu Gesicht bekommen.

[exhales] Okay, das klingt erst mal nach einer dieser griffigen Podcast-Behauptungen. Ich bin ja der Skeptiker hier. Aber ich muss zugeben — wenn ich es durchrechne, wird es interessant. Denn was liegt eigentlich alles unter so einer Straße?

Genau das ist meine Frage. Zähl mal auf.

Also, direkt unter dem Asphalt zuerst die Versorgung. Strom, Gas, Wasser, Abwasser, Fernwärme, Glasfaser. Das sind schon mal mehrere Schichten Rohre und Kabel übereinander. Darunter U-Bahn-Tunnel, oft in zwei, drei Ebenen. Tiefgaragen. Fundamente von Hochhäusern, die gehen teils dreißig, vierzig Meter runter. Und dann wird es historisch.

Historisch — was heißt das?

Das heißt, unter dem, was wir gebaut haben, liegt das, was frühere Städte gebaut haben. Alte Fundamente, zugeschüttete Flüsse, Gräber, Straßen von vor tausend, zweitausend Jahren. Städte wachsen nämlich nicht nur, sie stapeln sich auf sich selbst.

Okay, das ist der Moment, wo bei mir das Kopfkino angeht. Du sagst, ich stehe hier auf dem Bürgersteig — und unter mir liegt buchstäblich eine römische Straße?

In vielen europäischen Städten: ja. Nicht überall, aber erstaunlich oft. Der Boden, auf dem du stehst, ist meterhoch aus Schutt, Müll und Trümmern der Jahrhunderte. Man nennt das den Kulturschutt. Städte heben sich über die Zeit an, weil niemand den alten Kram wegräumt — man baut einfach obendrauf.

[laughs] Also wir leben quasi auf dem Dachboden unserer eigenen Geschichte.

Ziemlich genau. Und der Keller darunter ist voll.

Und trotzdem — und das finde ich das eigentlich Verrückte — sehen wir davon nichts. Null. Wir laufen jeden Tag über diese ganze Welt drüber und denken keine Sekunde daran.

Weil die Oberfläche uns komplett gefangen hält. Schaufenster, Verkehr, Werbung, Himmel. Unser ganzer Alltag spielt sich auf dieser dünnen Haut ab. Und alles, was die Stadt eigentlich am Laufen hält — das Wasser, der Strom, der Verkehr, die Daten — das ist bewusst versteckt worden.

Bewusst versteckt. Das ist ein starkes Wort.

Ist aber so. Wir haben es unter die Erde verlegt, weil wir es nicht sehen wollen, weil oben kein Platz ist, und weil es unten schlicht besser aufgehoben ist. Aber das ist genau die Frage, um die es heute geht: Warum wächst eine Stadt nach unten? Und warum ausgerechnet jetzt, wo alle über Wolkenkratzer reden, sagen Stadtplaner: Die eigentliche Reserve liegt in der Tiefe?

Und ich will das nicht nur behauptet haben, ich will da runter. Ich will wissen, was Schicht für Schicht unter unseren Füßen liegt. Und ich glaube, wenn man das einmal verstanden hat, läuft man nie wieder gleich über eine Straße.

Dann fangen wir am besten an einem Ort an, der wie ein Bohrkern durch die Zeit funktioniert. Eine Stadt, in der man sich Schicht für Schicht nach unten graben kann.

Und welche Stadt ist das?

London. Vierhundert Kilometer Tunnel — und darunter wird es erst richtig alt. Aber der Reihe nach.

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