
Krimi
Der letzte Zug nach Hollerbach
Mit KI erzeugtAls der letzte Nachtzug in den verregneten Provinzbahnhof Hollerbach einfährt, ist ein Fahrgast spurlos verschwunden – kein Halt, keine offene Tür, kein Schrei. Kommissar Roland Feist und seine junge Kollegin Mira Halwax haben nur eine Handvoll Zeugen, ein paar seltsam trockene Fußabdrücke und die drückende Stille einer Herbstnacht, um das Rätsel zu lösen.
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Der letzte Zug
Kapitel 1 von 1 · gesamt 0:00 / 7:06
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Es regnete, als hätte der Himmel über Hollerbach vergessen, wie man aufhört. In dieser Herbstnacht lag der kleine Provinzbahnhof da wie eine vergessene Insel zwischen dunklen, überfluteten Feldern. Ein einziger Bahnsteig, ein verwaister Warteraum, dahinter das alte Stellwerk mit seinen blinden Fenstern. Und über allem das unaufhörliche Trommeln des Regens auf dem rostigen Vordach. Unter einer flackernden Lampe stand Egon Trumm, der Bahnhofsvorsteher. Über sechzig war er, gebeugt, mit schütterem weißem Haar unter einer roten Dienstmütze. Seine blaue Uniform mit den blank gescheuerten Messingknöpfen war feucht, und in seiner faltigen Hand hielt er die altmodische Signalkelle. Er kniff die buschigen grauen Augenbrauen zusammen und spähte in die Dunkelheit, aus der zwei Scheinwerfer langsam näher krochen. Da bist du ja endlich. Zwölf Minuten zu spät, du alter Kasten. Bei dem Wetter kein Wunder. Mit kreischenden Bremsen und einem müden Seufzen aus Stahl und Druckluft rollte der letzte Nachtzug in Hollerbach ein. Die erleuchteten Fenster warfen gelbe Rechtecke auf den nassen Bahnsteig, doch dahinter regte sich kaum etwas. Der Zug wirkte fast leer, als hätte er die halbe Nacht durch verlassene Ortschaften geschleppt, ohne dass jemand ein- oder ausstieg. Eine Tür schlug auf, und heraus trat Selma Voss, die Zugbegleiterin. Sie war Mitte vierzig, mittelgroß, ihr rotblondes Haar zu einem Knoten gesteckt, aus dem sich einzelne feuchte Strähnen gelöst hatten. Über der grauen Uniform trug sie ein Halstuch, und an ihrem Gürtel baumelte die Lochzange. Ihre Hände kneteten unruhig ein Stück Papier, während sie den Regen anstarrte. Egon. Egon, komm mal her. Etwas stimmt nicht. Was soll denn nicht stimmen? Fahr weiter, Selma, es ist spät, und ich will ins Trockene. Nein. Hör mir zu. In Waggon drei, das Abteil hinten links. Da saß ein Fahrgast. Doktor Manns. Aurel Manns. Und jetzt ist er weg. Dann ist er ausgestiegen. In Talheim vielleicht, oder in Roßbach. Menschen steigen aus, Selma, dafür sind die Bahnhöfe da. Nein, das ist es ja. Ich habe seine Karte gestempelt, kurz nach der Abfahrt. Er wollte bis zur Endstation. Bis hierher, nach Hollerbach. Ich bin durch den ganzen Zug gegangen, Egon. Er ist nicht in Talheim ausgestiegen, und er ist auch nicht hier. Trumm sagte einen Moment lang nichts. Der Regen füllte die Stille, und irgendwo in den Feldern schrie ein Nachtvogel. Selma Voss trat von einem Fuß auf den anderen, ihre nassen Schuhe quietschten auf dem Steinboden. Vielleicht schläft er. In der Toilette, im Gepäckwagen. Menschen verstecken sich an den seltsamsten Orten, wenn sie müde sind oder betrunken. Ich habe überall nachgesehen. Die Toiletten sind leer, die anderen Waggons auch. Nur ein einziger Fahrgast ist noch an Bord, ganz vorne. Ein junger Mann im Anzug. Aber Manns, der ist einfach... fort. Und sein Abteil, Egon, das musst du dir ansehen. Seine Sachen sind noch da. Die Aktentasche. Der Schirm. Alles liegt da, als wäre er nur kurz aufgestanden. Etwas in Selmas Stimme ließ den alten Vorsteher innehalten. Er richtete sich ein wenig auf, so gut es seine gebeugten Schultern zuließen, und stieg über den nassen Spalt zwischen Bahnsteig und Zug. Sie führte ihn durch den schmalen Gang von Waggon drei. Das Neonlicht summte, ein Fenster war beschlagen, und der ganze Wagen roch nach nassem Stoff und kaltem Metall. Hier. Das Abteil. [pauses] Na so was. Eine Aktentasche aus Leder. Und ein Regenschirm, ordentlich zusammengefaltet, an die Lehne gelehnt. Ein gepflegter Mann, dein Doktor Manns. Er hat kaum ein Wort gesagt während der Fahrt. Saß nur da, den Mantel bis zum Kinn zugeknöpft, und schaute aus dem Fenster in die Dunkelheit. Ich dachte noch, so einer verpasst seinen Halt nicht. So einer weiß immer genau, wo er ist. Und doch ist er weg. Ein Mann verschwindet aus einem fahrenden Zug, mitten in der Nacht, mitten im Regen. [exhales] Das gibt es nicht, Selma. Das gibt es einfach nicht. Trumm strich mit dem Daumen über den Griff der Aktentasche. Für einen kurzen Augenblick zuckte etwas über sein faltiges Gesicht, ein Schatten, den Selma im schwachen Licht nicht deuten konnte. Dann steckte er die Signalkelle in die Manteltasche und drehte sich um. Was machen wir jetzt? Ich kann den Zug nicht ewig hier stehen lassen. Und ich kann auch nicht einfach so tun, als wäre nichts gewesen. Nein. Nein, das können wir wohl nicht. Ein leeres Abteil, ein Fahrgast, der sich in Luft auflöst... Da müssen wir die Polizei rufen. Es hilft ja nichts. Die Polizei. [breathes] Ja. Ja, natürlich. Ruf sie an, Egon. Trumm humpelte zurück auf den Bahnsteig, in sein kleines Büro neben dem Warteraum, wo ein altes Telefon an der Wand hing. Seine Hand zögerte einen Moment über dem Hörer, ehe er wählte. Draußen prasselte der Regen unverändert, und der Zug stand da, hell erleuchtet und still, wie ein Sarg auf Rädern. Ja... hallo. Hier ist der Bahnhof Hollerbach, Vorsteher Trumm. Ich möchte etwas melden. Einen vermissten Fahrgast. Der letzte Nachtzug ist eingefahren, und ein Reisender fehlt. Doktor Aurel Manns. Seine Sachen sind noch im Abteil, aber er selbst... nein, er ist nirgends. Ja. Ja, wir warten. Kommen Sie schnell. Er legte auf. Durch das beschlagene Fenster sah er Selma Voss auf dem Bahnsteig stehen, reglos, die Arme um sich geschlungen, den Blick auf das leere Abteil von Waggon drei gerichtet. Der Regen zeichnete Rinnsale über die Scheibe, und Egon Trumm blieb ganz still, als lauschte er auf etwas, das nur er hören konnte. Irgendwo weit draußen, jenseits der dunklen Felder, näherte sich langsam ein zweites Paar Scheinwerfer der Nacht von Hollerbach entgegen.
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