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Cover: Das Zeichen im Stein

Geschichte

Das Zeichen im Stein

Mit KI erzeugt
Mittelalterca. 39 Min.

Köln, 1250: Der junge Steinmetzgeselle Lambert kommt an die größte Baustelle der Christenheit – den neuen Dom, der in den Himmel wachsen soll. Doch hoch oben im Eichengerüst, zwischen Steinstaub und Glauben, ahnt er, dass ein Geheimnis im Mauerwerk verborgen liegt, das bereits einen Mann das Leben gekostet hat. Um die Wahrheit ans Licht zu bringen, muss er sich der größten Gefahr seines Lebens stellen.

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Der Neuling unter dem Kran

Kapitel 1 von 1 · gesamt 0:00 / 4:28

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Zum Mitlesen: Der Neuling unter dem Kran

Der Sommermorgen roch nach Staub und frisch gesägtem Eichenholz, als Lambert zum ersten Mal auf den großen Platz vor der Baustelle trat und stehen blieb, weil ihm für einen Augenblick der Atem stockte. Vor ihm wuchs aus dem Boden ein Gerüst empor, so gewaltig, dass es ihm vorkam wie ein hölzerner Wald, der in den Himmel griff. Balken über Balken, Leiter über Leiter, und ganz oben, wo die Männer nur noch wie dunkle Käfer über den Latten krochen, drehte sich langsam ein hölzernes Rad, in dem zwei Gesellen schritten wie Pilger, die nirgends ankamen.

Lambert war neunzehn Jahre alt, hager und doch von kräftigem Bau, das dunkelblonde Haar im Nacken kurz geschnitten, die Haut sonnengebräunt und der Steinstaub schon tief in ihren Poren. Über dem groben braunen Wollkittel trug er die lederne Schürze, am Gurt hingen Fäustel und Eisen, und an der linken Hand zog sich eine alte, weiß verheilte Schramme über den Handrücken. Er war weit gewandert, um hierher zu kommen, und nun stand er da und wusste, dass all das Wandern nur der Anfang gewesen war. [exhales]

Um ihn herum brüllten die Ochsen, wenn die Treiber die schweren Karren mit ihren Steinquadern über den zerfurchten Boden lenkten. Sägen kreischten durch das Holz, Hämmer klangen im Takt, und aus einem langen offenen Schuppen zur Seite drang das helle, rastlose Klingen vieler Eisen auf vielen Steinen. Das war die Bauhütte, das wusste Lambert, das Herz von allem, wo die Steinmetze arbeiteten und wo ihre strengen Regeln galten wie ein zweites Gebot.

Ein Mann kam über den Platz, hochgewachsen, in einem dunklen bodenlangen Mantel aus feinem Tuch, und die Arbeiter traten beiseite, noch ehe er ein Wort gesprochen hatte. Sein Haar war ergraut und fiel ihm schulterlang, das blasse Gesicht war von tiefen Furchen gezeichnet, und an einer Kette um den Hals trugen sich ein Zirkel und ein Winkelmaß, die Zeichen seines Amtes. Das war Meister Gerhard, der Dombaumeister, und sein Blick maß Lambert von den Stiefeln bis zum Scheitel, kühl und prüfend, als wäre auch er nur ein Stein, den es zu behauen galt.

Neben ihm stand ein zweiter, stämmig und breit in den Schultern, mit schütterem rotblondem Haar und einem dichten roten Bart, die Haut wettergegerbt und rötlich, die Nase schief, als hätte sie einst einen harten Schlag empfangen. In der Hand hielt er ein Richtscheit, und er wog es dabei, als überlege er, wozu er es sonst noch gebrauchen könnte. „Ein Geselle also", sagte er, und seine Stimme war ruhig und ohne jede Wärme. „Wir haben hier keinen Platz für Träumer, Junge. Wer die Hütte betritt, gehorcht der Hütte. Vergiss das nicht."

„Ich habe meine Lehre bei ehrlichen Meistern getan, Parlier", sagte Lambert und hielt dem Blick stand, obwohl ihm das Herz klopfte. Der Bärtige, den sie Reinhard nannten, verzog keine Miene. Meister Gerhard aber nickte kaum merklich, und darin lag mehr Gnade als in tausend Worten. [pauses]

„Zeig, was du kannst", sagte der Meister. „Die Zeichen lügen nicht, und der Stein auch nicht." Dann wandte er sich ab, und der Parlier deutete mit dem Richtscheit auf einen jungen Mann, der gerade lachend aus dem Schuppen trat.

Dieser Kilian war von offenem Gesicht, das Haar voll Staub, die Zähne blitzten, als er grinste. „Komm mit, Neuer", rief er und schlug Lambert freundschaftlich auf die Schulter. „Ich zeig dir, wo dein Platz ist, wo das Wasser steht und welche Balken du besser nicht betrittst." Er senkte die Stimme und blickte kurz hinauf ins Gerüst, dorthin, wo die Steine am höchsten lagen. [whispers] „Und ich zeig dir, worüber man hier besser nicht redet."

Lambert folgte ihm, und über ihnen drehte sich unermüdlich das große Rad des Krans.

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