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Cover: Die verschwundene Silberbrosche von Moorwiek

Krimi

Die verschwundene Silberbrosche von Moorwiek

Mit KI erzeugt
Cosy Crimeca. 32 Min.

Als Greta Boysen an einem stürmischen Samstagmorgen aufgelöst ins Dorfcafé 'Teestövchen' stolpert, ist ihre kostbarste Erinnerung verschwunden: die silberne Erbbrosche ihrer Großmutter. Cafébetreiberin Frauke Petersen greift zur Teekanne statt zum Telefonhörer und beginnt, mit ruhiger Hand und wachem Blick die kleinen Widersprüche zwischen Handwerker, Neffe und hilfsbereiter Nachbarin zu entwirren. Wer im beschaulichen Moorwiek wirklich lügt, enthüllt sich nicht durch laute Verhöre, sondern über Butterkuchen, Klatsch und ein Detail, das niemand hätte kennen dürfen.

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Ostwind und frischer Butterkuchen

Kapitel 1 von 1 · gesamt 0:00 / 4:03

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Tempo
Schlummer

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Zum Mitlesen: Ostwind und frischer Butterkuchen

An diesem Samstagmorgen fegte der Ostwind über den Deich von Moorwiek, als hätte er es eilig, die letzten grauen Wolken vor sich her ins Land zu treiben. Er rüttelte an den Reetdächern, strich durch das trockene Gras am Anger und ließ das kleine Schild über der Tür des Teestövchens quietschen. Drinnen aber, hinter beschlagenen Fenstern, war die Welt warm und weich. Es roch nach frisch gebackenem Butterkuchen, nach Zimt, nach schwarzem Tee mit Kluntjes, und die alte Standuhr in der Ecke tickte gemütlich gegen das Heulen des Windes an.

Frauke Petersen stand hinter dem Tresen und hatte alle Hände voll zu tun. Mit zweiundfünfzig Jahren kannte sie jeden Handgriff im Schlaf, und ihre kräftige Gestalt bewegte sich zwischen den Tischen mit einer Ruhe, die den Gästen guttat. Über ihrem dunkelblauen Strickpullover trug sie die blaugestreifte Leinenschürze, die sie an keinem Arbeitstag ablegte, und die halblangen aschblonden Haare mit den grauen Strähnen hatte sie zu einem lockeren Dutt gesteckt. Um ihren Hals baumelte an einer Perlenkette die Lesebrille, und wenn sie lachte, und das tat sie oft, dann zeigten sich die feinen Lachfältchen in ihrem wettergegerbten Gesicht.

„So, hier kommt der Tee, und der Butterkuchen ist noch warm", sagte sie und stellte ein dampfendes Kännchen vor die beiden Damen am Fensterplatz. Am Nebentisch spielten zwei Kartenbrüder Skat, und am Tresen lehnte ihr Mann Hauke bei einer Tasse Kaffee, breitschultrig in seinem cremefarbenen Wollpullover, den grauen Vollbart gestutzt, die blaue Schirmmütze wie immer ein wenig schief. Er sagte nicht viel, aber er sah alles.

Es war einer dieser friedlichen Samstagvormittage, an denen man meinen konnte, in Moorwiek könne gar nichts geschehen. Bis die Tür aufflog und der Wind eine kleine, gebeugte Gestalt hereinschob.

„Frauke", rief Greta Boysen, und ihre Stimme zitterte. Die achtundsiebzigjährige Witwe stützte sich schwer auf ihren dunklen Gehstock, das schlohweiße Haar zu ihrem kleinen Knoten gekämmt, doch heute saßen ein paar Strähnen wild vom Wind verweht daneben. Über dem grauen Wollkleid mit dem gehäkelten Kragen hatte sie die dicke Strickjacke nur halb zugeknöpft. Ihre blassen, faltigen Wangen waren gerötet, und in ihren Augen stand etwas, das Frauke sofort erkannte: Sorge, echte, tiefe Sorge.

„Greta, Kindchen, setz dich erst mal." Frauke ließ das Geschirrtuch fallen und war mit zwei Schritten bei ihr. Sie schob ihr den bequemsten Stuhl heran, den nahe am Ofen, und drückte ihr behutsam die kalten Hände. „Du bist ja ganz durcheinander. Was ist denn passiert?"

Greta ließ sich sinken, atmete zweimal tief durch und rang mit den Worten. [sighs] „Sie ist weg, Frauke. Die Brosche. Die silberne Brosche meiner Großmutter." Ihre Unterlippe bebte. „Heute Morgen wollte ich sie anstecken, wie jeden Sonntag zur Kirche will ich das ja, und da war die Schublade leer. Einfach leer."

Ein leises Raunen ging durch das Café. Frauke setzte sich ihr gegenüber, schenkte ihr eine Tasse Tee ein und legte die Lesebrille ab. „Erzähl mir von der Brosche", sagte sie ruhig.

„Sie ist nicht groß", flüsterte Greta und formte mit zittrigen Fingern eine kleine Rundung in der Luft. „Silber, mit einer Ranke aus feinen Blättern und einem winzigen Süßwasserperlchen in der Mitte. Für einen Händler ist sie vielleicht nicht viel wert. Aber für mich..." Sie stockte und sah aus dem beschlagenen Fenster hinaus auf den Deich. „Meine Großmutter hat sie zur Hochzeit getragen, und meine Mutter auch, und ich an meinem eigenen Hochzeitstag. Es ist das Einzige, was mir von ihnen allen geblieben ist. Kein Geld der Welt kann das ersetzen."

Frauke nickte langsam. [pauses] Draußen zerrte der Wind an den Fensterläden, doch drinnen war es plötzlich sehr still geworden. Sie schob Greta einen Teller Butterkuchen hin, obwohl sie genau wusste, dass der jetzt nicht angerührt werden würde, und in ihrem Kopf begann es bereits leise zu arbeiten. Denn wenn eine Schublade über Nacht leer wurde, dann hatte irgendjemand sie geöffnet. Und Frauke Petersen hatte das untrügliche Gefühl, dass sie diesen Jemand kennen würde.

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